Fürs Vorlesen im Traunreuter AWO Seniorenzentrum ist die Bewohnerin Angelika zuständig. Eine kleine, zum Anlass passende Kostprobe aus Kishons “Bücherschwemme”, gab es auch bei der Einweihung des neuen, mobilen Bücherwagens. Rund 15 Bewohner*innen stießen in der Caféteria mit einem Glas Sekt und Orangensaft auf die rollende Bibliothek an.
Liesl Mensing, die man in Traunreut als Buchhändlerin kennt und die jetzt im Seniorenzentrum lebt, brachte es mit einem Zitat des deutschen Dichters Jean Paul auf den Punkt, was Bücherlesen ausmacht: “Bücherlesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.” Sie sei sehr froh, dass es im Heim jetzt einen Bücherwagen gebe", sagte die 92-jährige. Lesesüchtig von Kindesbeinen an, habe ihr die Stadtbücherei sozusagen das Leben gerettet, als sie 1965 nach Traunreut kam.
Auch für die Sozialdienstleiterin des AWO Seniorenzentrums, Elvira Schmidt, ging mit dem mobilen Bücherwagen ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung. “Wo sind denn die Bücher?”, habe sie sich gefragt, als sie vor einigen Jahren im Heim zu arbeiten begann. “Ich wollte einen Bücherschrank, der sich bewegen kann und Rollen hat", erklärte Schmidt.
Mittlerweile rollt die mobile Bibliothek durch das Haus. Beziehungsweise hat ihren festen Platz im ersten Stock und zwar “ganz hinten”, wie eine Bewohnerin anmerkte. In der Leseecke stehen zwei Lesesessel mit Blick ins Grüne und auf den Teich der Wohnanlage. “Alle Bewohner*innen sind eingeladen, sich kostenlos mit Lesestoff zu versorgen. Jeder kann ein Buch mitnehmen oder auch ein Buch reinstellen, das er nicht mehr benötigt”, sagte Schmidt.
Sie bat auch darum, mit dem Lesestoff pfleglich umzugehen. Die Bücher nach dem Lesen wieder ordentlich zurückzustellen und keine beschädigten Bücher reinzustellen. Der Lesestoff reicht von Hochliteratur über Unterhaltungsliteratur, bis hin zu Klatsch und Tratsch. Unter den historischen Romanen, Sachbüchern oder Liebesromanen, finden sich Klassiker wie “Die Säulen der Erde.” Auch in Magazinen und Zeitschriften kann geschmökert werden.
Die Anregung einer Bewohnerin, die rollende Bibliothek an den Kaffee-Klatsch-Nachmittagen in die Caféteria zu schieben, fand Anklang: “Seit der Bücherwagen hier steht, kommt man sehr ins Gespräch und lernt Gemeinsamkeiten zu entdecken."
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